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Eine Woche am Var (vom 29.4.2005 bis 7.5.2005)

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Vorwort

 Vielleicht zuerst zur Orientierung: Wo ist der Var’ Ich nehme mal an, alle wissen wo Nizza liegt. Natürlich am Mittelmeer, zwischen Monte Carlo und Cannes. Hinter dem Mittelmeer, der italienischen Grenze entlang, befinden sich die Seealpen. Das ganze heisst dann Alpes maritimes und das wiederum gehört zur Provence, die sich bis zum Rhônetal erstreckt. Interessant ist,  dass  dieser Teil der Provence nur über viele Pässe erreichbar ist, sei es über Italien oder vom Norden Frankreichs. Auch über die Mittelmeerküste ist es ein beschwerliches Auf und Ab bis zur Mündung des Var in das Mittelmeer. Alle Pässe sind meistens über 1500 M.ü.M. und leider so wie in der Schweiz erst ab  Pfingsten befahrbar. So ist es auch möglich, ins Vallée du Var über den Col de la Cayolle, 2326 M.ü.M., zu gelangen.

 Rund 60 km unterhalb dieses Einzugsgebietes liegt Entrevaux und dort befindet sich auch unser Campingplatz. Natürlich gibt es noch viele weitere Täler wie die des Tinèes, des Vésubie, Estéron und Roya, wobei wohl die grössten in diesem Gebiet aufgezählt wären. Fast alle diese Bäche fliessen in den Var, aber weit unterhalb unserer Paddelstrecken. Wie komme ich wohl nach Entrevaux? Am schönsten ist es über die Route Napoleon bis Digne les Bains und dann über Annot ca. 630 km, am langweiligsten ist die Route über Italien, alles Autobahn bis Nizza, total ca. 730 km.

 Wo ist der Campingplatz

 Nun geht es ja noch darum zu erfahren, wo unser 2-Sterne Campingplatz liegt. Für diejenigen, die von Nizza herkommen, geht es 4 km nach Entrevaux über die Brücke des Var und gleich nach der Brücke, das meine ich so: „scharf rechts“ und etwa 2 km der linken Flussseite entlang direkt zum Camping Du Brec. Diejenigen die auf der Route Napoleon, also von Digne les Bains kommen, ist es ca. 9 km nach Annot vor dieser Brücke links. Eigentlich ist das ganze mit riesigen Hinweistafeln signalisiert, sage und schreibe fast 2m2 grosse Tafeln, und trotzdem schaffen es einige, daran vorbeizufahren. Nun, man kann das ganze entschuldigen, wenn man immer nur auf den Bach hinunterschaut „Paddlerpech“. Es haben schliesslich alle 13 diesen Ort erreicht, diese Zahl spricht für sich, denn irgend jemand hatte diese Zahl auf dem Rücken, sei es auf der Hinfahrt mit riesigen Umwegen oder zum Schluss mit einer Prellung, die ein weiteres Kanufahren verhinderte. Gute Besserung Mario!

 Freitag 29 April 2005

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Die erste Gruppe erreichte am Freitagabend 19.00 Uhr, den wunderbar gelegenen Zeltplatz. Ich muss zu meiner Verwunderung sagen, es war das erste Mal, dass ich es ohne einen Meter falsch zu fahren schaffte, das Ziel zu erreichen, obwohl Ferdi immer mit einem Auge geschlafen hat. Das nenne ich Paddlerglück, denn zwei weitere Autos folgten mir mit blindem Vertrauen. Mein Glück, sie wären mir wohl sonst die ganze Woche in den Ohren gelegen, aber so liess es sich recht gut aushalten.

 Nachdem wir unsere Behausungen aufgestellt, hingestellt oder angenagelt hatten, amüsierten wir uns über die 4-Zimmer-Zelte sowie die 1-Zimmer-Appartements mit Einstiegsvariante rückwärts. Dies erforderte einige Hölloch-Erfahrung, vor allem nachts wegen Einsturzgefahr. Nein, Spass beiseite, es war fast ungerecht, die „Kleinsten“ hatten Zelte, wo sich drinnen Wegweiser befanden um sich zurechtzufinden. Andere hatten  Wegweiser draussen, damit sie das Zelt fanden. Nachdem wir uns alle installiert hatten, begaben wir uns in das 1 ½ km entfernte Dorf. Mit unseren Bikes war das kein Problem, höchstens die splittrigen Kurven, wo man bei ungenügender Kurventechnik die Bekanntschaft mit dem Var gemacht hätte. Endlich im Restaurant, genossen wir nach einem langen Tag die gute französische Küche. Nachdem wir uns den Magen vollgeschlagen hatten mit Pastis, Wein, Fischmenüs, Salaten und Desserts, rüsteten wir uns für die Rückfahrt. Aber oh je, die wenigsten hatten genügend Licht, um auf dem Schotterweg gefahrlos zurückzufahren. Dank Hanspeter, der eine Stirnlampen- und Velolampensammlung im Rucksack mitschleifte, hatten wir noch genügend Licht, um bei stockdunkler Nacht den Weg auszuleuchten. So trafen wir unter vollster Konzentration müde aber gesund wieder beim Zeltplatz ein. Das war der erste Tag.

 Samstag 30 April 2005

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 Am zweiten Tag folgten dann in Abständen der zweite Teil der Gruppe. Die Mario-Gruppe wollte den 1000 km-Rekord brechen doch der Versuch, die Seealpen zu umrunden, scheiterte zu seinem Glück, weil viele Pässe noch geschlossen waren. Wer weiss! Ob er es doch noch geschafft hätte.

 Als Standort auf dem Campingplatz musste der Bungalow von Vosselers mit dem Namen Cayolle herhalten. Um dieses Haus herum installierten sich nun alle mit Zelt, Wohnwagen und Wohnmobil.

 Viele werden sich fragen, was denn die 6er Gruppe am Samstag gemacht hat. Diejenigen die denken, die hätten doch am Freitagabend etwas zu tief ins Glas geschaut, muss ich arg enttäuschen. Wir sind sogar am Morgen aufgestanden und waren sogar – das gelingt nicht allen – vor 12.00 Uhr bereits auf dem Bach. Wir haben uns auf Neuland gewagt, auf den Coulomp, der in den Var fliesst. Natürlich habe ich letztes Jahr diesen Bach per Velo abgefahren um herauszufinden, wo einzubooten ist, wie der Schwierigkeitsgrad ist und wann der Wasserstand stimmt. Etwa 4 km oberhalb der Einmündung in den Var bei einem Kiesplatz, Parkplatz an der Strasse, ist die Einbootsstelle. Weiter oben kommt Wasser von einem kleinen Kraftwerk, meistens kurz vor Mittag. Schwierigkeitsgrad II, 2-3 Stellen III, sogenannte verblockte Schwellen, Umtragen kein Problem. Für unsere Neuen kein Problem, bis auf die vielen Steine, die immer dort sind, wo sie nicht sein sollten. Ich würde sagen vergleichbar mit dem Doubs bei der Erdrutschstrecke nach der Soubeyschnelle. Alles in allem eine tolle Strecke von ca. 8 km Länge bis zum Campingplatz. Die Ausstiegsstelle befindet sich auf dem Var bei einer Buhne etwa 200 m vom Campingplatz entfernt, wobei wir über einen Damm steigen mussten und dann noch 80 m auf dem Seelein direkt zum Restaurant des Campingplatzes fahren konnten, wo man auch gleich noch den Apéritif vor dem Nachtessen nehmen sollte. So wurde der sportliche Teil dieses Tages beendet. Dann konnten wir uns wieder den Neuankömmlingen zuwenden.

 Um unseren Koch, der heute erst angekommen war, zu schonen, entschlossen wir uns, nochmals ins Dorf zu gehen, um uns kulinarisch verwöhnen zu lassen. Wiederum sanken wir müde aber voller Tatendrang in unsere Koyen.

 

 Sonntag 1 Mai 2005

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 Sonntag – eigentlich ein Tag zum Ausschlafen. Aber dem war nicht ganz so. Die ersten machten bereits um 07.00 Uhr ihren Fitnessparcours ins Dorf, wie schnell blieb mir bis heute verborgen.

 Allgemeines Ziel war heute, ab Schluchtende 2 km unterhalb Gorges de Daluis einzubooten, um dann etwa 12 km bis kurz vor die N202 zu fahren. Diejenigen, die noch ihre Knochen spürten, fuhren dann noch weitere 5 km bis zum Campingplatz. Bis heute hatten wir schon einiges an Sonne abbekommen, auch mit Wasser waren wir sehr gut  bedient. Die letzte Schneeschmelze war im Gang. Die Voraussichten für Montag waren klar. Die Gorges de Daluis war unser nächstes Ziel.

Montag 2 Mai 2005

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 Wie üblich das Zmorge-Ritual. Die einen gingen mit geschlossenen Augen zum Waschraum, andern hätte man am liebsten den Mund verstopft. Nein, so schlimm war es nicht, wir mussten uns ja noch einige Tage ertragen. So sassen wir in drei Gruppen verteilt beim Zmorge, wofür wir uns viel Zeit liessen. Das Wetter, der Wasserstand – alles stimmte. Es war wie alle Jahre, die 1. Mai-Woche hat es in sich. Ohne Zwang bildeten wir eine Velogruppe und eine Kayakgruppe. Es gab natürlich auch eine Ausharrgruppe, die auf dem Campingplatz unsere Stellungen verteidigte mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Käthi verteidigte den Wasserhahn und Margaretha überwachte vom Balkon aus Käthy, damit ihr nichts passierte. Länger als fünf Stunden dauerte das Gefecht selten.

 Die Kayakgruppe begab sich so gegen Mittag langsam mit zwei Autos Richtung Gorges Daluis. Dort, wo wir beim letzten Mal einbooteten, liessen wir ein Auto stehen und mit dem Bus und Anhänger starteten wir zu sechst – Fritz, Paul, Georges, Mario, Victor und ich Richtung Guillaumes. Unterwegs machten wir noch einen Halt bei der einzigen Schluchtbrücke, etwa 90 m über Wasser mit Einsicht in die Schlüsselstelle oberhalb der Brücke. Die Einstiegsstelle befindet sich bei der letzten Strassenbrücke etwa 1 ½ km vor Guillaumes auf etwa 770 M.ü.M. Schon der Blick unter die Brücke verriet mir einen guten Wasserstand, d.h. etwas weniger als das letzte Mal, sagen wir mal Schwierigkeitsgrad 3-+. Nach der Umkleideaktion bei heissestem Wetter und glücklich, endlich ins kühlende Nass zu steigen, gings ab in die 5 km lange Schlucht. Bei diesem Sonnenschein in der Mittagszeit ist die Schlucht mit ihren roten Wänden hell erleuchtet. Vor lauter Ehrfurcht fuhr ich in der Schlüsselstelle sogar ein paar Meter rückwärts. Beim Wasserfall, etwa in der Hälfte der Schlucht, machten wir einen Trinkhalt. Nach dem kleinen Sonnenbad in den leuchtenden Steinblöcken liessen wir uns vom grauen Schneeschmelzewasser zu unserem Ausgangspunkt hinuntertragen. Georges und Paul fuhren noch den Rest bis zum Campingplatz. Wiederum folgte der obligate Apéritifhalt beim Seerestaurant. Beim folgenden Nachtessen wurden bereits wieder Pläne für den morgigen Tag geschmiedet.

 Fortsetzung folg im nächsten Heft    Rolf

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